Was ist die Himmelsscheibe?
Inhalt
1. Allgemein
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2. Astronomische Deutung
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Jeder, der diesen einmaligen Fund aus der Bronzezeit zum ersten Mal betrachtet, sieht sofort “Sonne, Mond und Sterne”. Die Himmelsscheibe ist das einzige Objekt aus so früher Zeit, das dermaßen auffällige Bezüge zur Himmelskunde aufweist,dass noch niemand eine nicht-astronomische Deutung vorgeschlagen hat. Das allein ist schon von eminenter Wichtigkeit. Unabhängig von Details der Interpretation belegt diese Bronzescheibe ein beträchtliches Interesse des vorzeitlichen Menschen am gestirnten Himmel: Sie ist schlichtweg der Schlüsselfund der Archäoastronomie. Von erheblicher Bedeutung ist,dass sich Fundort und Bildinventar der Scheibe gegenseitig ergänzen. Die beiden seitlichen goldenen Randbögen (einer davon nicht erhalten) können problemlos als östliche und westliche Horizontbögen aufgefasst werden, die den Lauf der Sonnenaufgangs-und untergangspunkte über das Jahr darstellen. Deren Winkel entsprechen dem Sonnenlauf für die frühe Bronzezeit und dem Bereich der Breitengrade durch Sachsen-Anhalt. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass für den Betrachter vom Mittelberg aus gesehen die Sonne zur Sommersonnenwende über dem Brocken unterging, dem markantesten Berg des Harzes. Dieser ist bei klarem Wetter (und fehlenden Bäumen) trotz der Entfernung von ca. 80 km vom Mittelberg deutlich sichtbar. An einem weiteren bis heute wesentlichen Datum, dem ersten Mai, ging die Sonne hinter dem Gipfel des Kulpenberges, des Hauptberges des Kyffhäusers, unter. Spektakulär ist, dass die Geometrie der bildlichen Darstellungen auf der Scheibe mit dem Fundplatz in Verbindung gebracht werden kann. |
3. Weiträumige Verbindungen
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Die Verbindung von Sakralort, herausragendem Berg und Sonnenwende ist für das prähistorische Europa nicht ungewöhnlich. Man findet Parallelen von Schottland bis zur Ägäis. Doch nur auf dem Mittelberg bei Nebra ist bislang mit der Himmelsscheibe auch das zugehörige “Benutzerhandbuch” gefunden worden. Die Datierung der Bronzescheibe in die Zeit um 1.6oo v.Chr. – es ist dies etwa die Zeit der Endausbauphase von Stonehenge – ergibt sich aus den mitgefundenen Bronzegegenständen: zwei Schwerter, ein Beil, ein Meißel und Reste zweier Armspiralen. Die Zusammengehörigkeit der Beifunde und der Scheibe ergibt sich über die Bodenanhaftungen. Diese werden von Naturwissenschaftlern des LfA und des LKA Magdeburg untersucht. Bei den Untersuchungen sind bislang keinerlei Zweifel an der Zusammengehörigkeit der Funde aufgetreten. Ein weiterer wesentlicher Hinweis ist, dass die Kombination der Fundgegenstände in Fürstengräbern dieser Zeit geläufig ist. Ein besonderes Augenmerk verdienen die Schwerter. Die Klingen sind einzigartig aufwendig mit Einlagen aus Kupferdraht verziert (tauschiert), und an den Griffen tragen sie ringförmige Schmuckstreifen aus profiliertem Goldblech. Verzierungen solcher Art kennen wir in so früher Zeit nur aus dem griechischen Mykene und Anatolien. Die Schwertform selbst hat Gegenstücke im heutigen Rumänien und Ungarn. Zurzeit wird untersucht, ob die Schwerter einheimischer Herstellung sind oder ob es sich um Importe handelt. Nach derzeitiger Auffassung erscheint auf der Bronzescheibe u.a. zum ersten Mal nördlich der Alpen die Sonnenbarke als sichelartige Goldauflage mit gefiedertem Rand, ein Motiv, das im Laufe der Bronzezeit zu einem herausragenden religiösen Symbol wird. |
4. Fundort
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Im Februar 2002 gelang es den Schweizerischen und Sachsen-Anhaltinischen Behörden, in einer für die Archäologie einmaligen Aktion in Basel einen der wichtigsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts sicherzustellen. Angeblich sollte der Fundort in Sachsen-Anhalt liegen. Der genauen Lage kam aus rechtlicher, aber vor allem aus archäologischer Sicht eine erhebliche Bedeutung zu. Durch das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt und die Staatsanwaltschaft Halle wurde der Fundort inzwischen zweifelsfrei ermittelt. Er liegt in einer ringförmigen Wallanlage (dem nach jetzigen Einschätzungen ältesten Observatorium der Welt) auf dem Mittelberg nahe der kleinen Unstrutgemeinde Wangen bei Nebra. Bild: Landesarchäologe Dr. Harald Meller zeigt Journalisten aus aller Welt den Fundort der Himmelsscheibe von Nebra |
5. Weltgeschichtliche Bedeutung
| Die Himmelsscheibe von Nebra kann man schon jetzt mit den Pyramiden in Ägypten und der Steinkreisanlage in Stonehenge auf eine Stufe stellen.Aus diesen Gründen wird auch schon jetzt in höchsten Kulturkreisen der Bundesrepublik und der UNESCO beraten die Himmelsscheibe von Nebra ins UNESCO – Weltkulturerbe aufzunehmen. |
6. Restaurierung
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Eine besondere Form der Korrosionsauflagerung auf den Goldblechen, hervorgerufen durch galvanische Prozesse (wie in einer Batterie), ist ein weiterer Echtheitsbeweis. Erst mit einem speziell hierfür im Labor des LfA entwickelten Verfahren konnten diese Anhaftungen entfernt werden, ohne die empfindlichen Goldbleche zu verletzen. Während und nach der Restaurierung wurden Untersuchungen zur Herstellungstechnik und Geschichte gemacht. Dabei konnte nicht nur die Echtheit weiter untermauert werden.
Interessant anzusehen sind dabei folgende Detailaufnahmen des Zoomserver des LfA: |
7. Ausgrabungs-Informationen
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Seit dem 20. August 2002 führt das Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt auf dem Mittelberg Ausgrabungen durch. Dabei konnte zweifelsfrei die Grube identifiziert werden, in der die Raubgräber die Himmelscheibe gefunden haben. Der Befund war mit Steinen geschützt, wobei beim gegenwärtigen Stand der Arbeiten noch unklar ist, ob es sich hierbei um ein Depot oder ein Grab handelte. Nach derzeitiger Kenntnis ist der Fundort als sakraler Platz anzusprechen. Seit dem 20. August 2002 führt das Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt auf dem Mittelberg Ausgrabungen durch. Dabei konnte zweifelsfrei die Grube identifiziert werden, in der die Raubgräber die Himmelscheibe gefunden haben. Der Befund war mit Steinen geschützt, wobei beim gegenwärtigen Stand der Arbeiten noch unklar ist, ob es sich hierbei um ein Depot oder ein Grab handelte. Nach derzeitiger Kenntnis ist der Fundort als sakraler Platz anzusprechen. Die Ausgrabungsarbeiten sollen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Parallel läuft ein Programm zur naturwissenschaftlichen Untersuchung der Scheibe, ihrer Beifunde und der aktuellen Funde der Grabung. Ein wissenschaftlicher Katalog wird 2003 erscheinen, im Laufe des Jahres 2004 soll ein interdisziplinäres Kolloquium zur Himmelsscheibe abgehalten werden. Ebenfalls für 2004 ist geplant, die Funde und die damit zusammenhängenden Forschungsergebnisse im Rahmen einer Landesausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle und für längere Zeit auch als Wanderausstellung in Nebra der Öffentlichkeit zu präsentieren. |












